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Drittklassige Werbung: Die Inserate für Spitäler der Spitzenklasse schiessen am Werbeziel vorbei.
Was macht diese Frau gequälten Gesichts mit der mysteriösen Stangenkonstruktion am Unterschenkel und einem Gehstock für alternde Dandys in der Hand? Nach der Schlagzeile zu schliessen, tut sie den "ersten Schritt". Aber wohin? Und woher? Offenbar hat sie ihr defektes Bein behandeln lassen und wurde dann in die Wüste geschickt.
Was soll das? Das möchten wir auch gerne wissen und so machen wir uns die Mühe, aus der ersten Anzeige der Swiss Leading Hospitals seit der Gründung der Vereinigung der Schweizer Fünf-Sterne-Spitäler einigermassen klug zu werden.
"Der erste Schritt ...", so lesen wir, "... zu Ihrer Genesung beginnt mit der richtigen Wahl des Spitals. In diesem Sinne engagieren sich die führenden Privatkliniken für mehr Qualität und Zufriedenheit. Ihrer Gesundheit zuliebe - und damit Ihre weiteren Schritte von einem Lächeln begleitet werden." Das haben wir kapiert, die Swiss Leading Hospitals wollen es uns schmackhaft machen, uns im Falle eines Falles statt irgendwo in einem der derzeit 14 Spitäler der Spitzenklasse kurieren zu lassen. So weit, so gut. Aber was sollen wir um Himmels willen mit diesem Bild?
Ist der Stangenapparat am Bein der neueste technologische Schrei in Sachen Fixation von Knochenbrüchen, die man selbstverständlich nur in Krankenhäusern der Spitzenklasse bekommt? Und der Stock ein galanter Ersatz für die Nullachtfünfzehn-Krücke gewöhnlicher Spitäler? Was tut diese Frau überhaupt? Ist sie soeben aus dem Nobelspital entlassen worden, macht sie ihren ersten Schritt in die Genesung? Aber warum in dieser unwirtlichen Gegend und mit so gequältem Gesicht? Da stimmt doch etwas nicht.
Pardon, es hat ein Weilchen gedauert, bis wir drauf gekommen sind: Dass in dieser Anzeige hinten und vorne nichts zusammenpasst, hat offenbar Methode. Der Schlüssel liegt bei dem Gestänge. Soll es moderner Gipsersatz sein - und danach sieht es ja aus -, liegt hier ein gravierender medizinischer Fehler vor, das glauben wir jedenfalls auf Grund von Restbeständen sanitarischen Grundwissens aus der Rekrutenschule feststellen zu müssen: Ein gebrochenes Schienbein ist nur dann fachmännisch fixiert, wenn es auch die Gelenke sind. Sonst ist alles umsonst.
So also läuft der Hase. Gewöhnliche Spitäler machen alles falsch, nur bei den Klassenbesten, also bei den Swiss Leading Hospitals, passiert so etwas nicht. Auch eine so läppische Gehhilfe erhält man hier natürlich nicht, ebenso wenig, wie man als Patient in unwirtlichster Umgebung sich selbst überlassen wird. Wie gut, das zu wissen, wie gut, das "richtige Spital" auswählen zu können.
Bloss: Wer - ausser dem geplagten Kolumnisten - macht sich schon die Mühe, sich so ausgiebig mit einer Anzeige zu beschäftigen?
Die meisten werden sich mit dem ersten Blick zufrieden geben. Dabei entsteht jedoch ein ganz anderer, für das Werbeziel verheerender Eindruck: Der erste Schritt zu einem der Swiss Leading Hospitals muss der absolute Horror sein. Resultat: Der Schuss geht hinten hinaus.
Und die Moral der Geschichte: Der erste Schritt zu erstklassiger Werbung beginnt mit der Wahl der richtigen Werbeagentur.
21. Juni 2000
