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Artikel | Gesundheits-Tipp 5/2000

Muttermale: Leichtsinnige Lust am Lasern

Fachärzte-Gesellschaft fordert: Ärzte, die mit Laser arbeiten, müssen sich weiterbilden.

Muttermale sind ein Risikofaktor für Hautkrebs. Oft lasern Ärzte solche Hautveränderungen weg, ohne das Gewebe zu untersuchen. Noch schlimmer: Manchen fehlt dafür die Ausbildung - sie können bösartige Melanome übersehen.

"Der Arzt meinte, es sei eine Warze. Er laserte den rötlichen Hügel unterhalb meines linken Ohrs gleich weg", sagt der 48-jährige Zürcher Pascal Z. Doch damit war es nicht getan: Der Hügel wuchs nach - und mit ihm mehrere kleine Hügelchen. Der Arzt griff wieder zum Laser und entfernte sie. Als sie zum dritten Mal auftauchten, wollte es Pascal Z. genau wissen: Er wechselte den Arzt. Der reagierte sofort und entnahm eine Gewebeprobe, die er ins Labor schickte. Resultat: bösartiger Hautkrebs. "Das war ein Schock", sagt Pascal Z.

Die Zeit drängte: Im Universitätsspital Zürich schnitten ihm die Ärzte das Melanom noch am gleichen Tag grossflächig heraus. Seither muss Pascal Z. alle zwei Wochen zur Chemotherapie. "Ich werde regelmässig geröntgt und mit Ultraschall untersucht." Er hat Glück: In seinem Körper haben sich keine Metastasen gebildet. Doch die Laserbehandlung hat die Therapie um mehr als ein Jahr verzögert. "Das hätte mich das Leben kosten können", ärgert er sich.


Plötzlicher Laser-Boom

Ein Laser in der Praxis verspricht lukrative Umsätze: Eine halbstündige Behandlung kostet mindestens 500 Franken. Der Boom aus den USA hat deshalb auch die Schweizer Ärzteszene erfasst. Es habe "fast urplötzlich eine Verbreitung in grossem Stil" stattgefunden, sagt Silvio Dudli, -Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für medizinische Laser-anwendungen (SGML). Allein im Raum Zürich arbeiten etwa 400 Ärzte mit einem Laser. Viele von ihnen haben es auf die Haut abgesehen.

Auch Allgemeinärzte versuchen sich mit dem gebündelten Licht - obwohl viele nicht dafür ausgebildet sind. "Hausärzte verfügen oft nicht über die notwendige Ausbildung und Erfahrung, um bösartige Hautveränderungen zu erkennen", warnt Erich Küng, Hautspezialist im Laserzentrum Bethanien in Zürich. Ein Muttermal zu beurteilen sei schwierig. "Das sind oft Knacknüsse. Die Gefahr, dass ein unerfahrener Arzt ein Melanom übersieht, ist gross."

Ein Laser-Gerät kostet zwischen 80 000 und 200 000 Franken. "Der hohe Anschaffungspreis verleitet Ärzte dazu, auch unklare Hautveränderungen zu lasern", warnt Reinhard Dummer, leitender Arzt der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich. Er sehe immer häufiger Patienten, die von Ärzten gelasert worden seien, ohne eine klare Diagnose zu erhalten. Dies kann gefährliche Folgen haben:

° Ein Melanom kann weiter wuchern und im Körper Metastasen bilden. Dummer: "Der Laser entfernt die Krebszellen nicht vollständig. Ein Melanom muss man mit einem Skalpell herausschneiden."

° Ein Muttermal kann nach dem Lasern wieder kommen. Fachleute nennen es "Pseudo-Melanom". Denn es lässt sich vom schwarzen Hautkrebs kaum unterscheiden. Sogar die Gewebeprobe sieht der eines malignen Melanoms täuschend ähnlich. Eine zuverlässige Diagnose zu stellen ist schwierig. Dummer: "Muttermale sollte ein Arzt auf keinen Fall lasern, sondern herausschneiden."


120 Muttermale gelasert

Doch die Realität zeigt: Immer wieder lasern Ärzte auch Muttermale. Dummer weiss von einem Arzt, der einem Patienten "in Vollnarkose 120 Muttermale wegdampfte". Laut Dummer muss ein Arzt von jeder Hautveränderung, die er lasern will, eine Gewebeprobe nehmen. "Der voreilige Schuss mit dem Laser ist gefährlich", sagt er. Hautspezialist Erich Küng spricht Klartext: "Lasert ein unerfahrener Arzt, ohne die Haut zu untersuchen, ist das ein Kunstfehler."

Die Forderung der beiden: Nur noch Hautärzte sollen lasern dürfen. Küng: "Der Laser gehört in die Hand des Spezialisten. Er erkennt, ob es sich um eine harmlose Hautveränderung oder um Krebs handelt. Ein Rheumatologe stellt ja auch keine Herzdiagnosen." Die Geräte zu bedienen sei einfach. Schwieriger sei es, die richtige Diagnose zu stellen.

Anderer Meinung ist Silvio Dudli, Präsident der

28. April 2000


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