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Artikel | K-Tipp 5/2000

Labels: Garantie ohne Gewähr

Thunfisch: Nicht allen Delfinschutz-Labels auf Thonbüchsen ist zu trauen.

"Dolphin Safe" - dieses und ähnliche Delfinschutz-Labels zieren fast jede Thunfisch-Dose. Doch längst nicht jedes Produkt verdient die Auszeichnung.

Der Blick ins Supermarkt-Regal mit den Thonbüchsen zeigt: An beruhigenden Logos herrscht kein Mangel. "Dolphin Safe", "Dolphin Friendly" oder "Delfinschonend gefangen" steht auf fast jeder Dose. Das lässt die Kundschaft glauben, dass sie guten Gewissens zugreifen darf.

Doch die Sicherheit ist trügerisch. Heute besteht die Gefahr, dass auch Thunfisch mit Delfinschutz-Logos in die Läden gelangt, der eine solche Auszeichnung nicht verdient. Ursache dieser unerfreulichen Situation: das Panama-Abkommen.

Diese Vereinbarung verwässert das Importverbot der USA für Thunfisch, bei dessen Fang "Delfinkiller" wie Treib- und Ringnetze zum Einsatz kommen. Darüber freuen sich vorab lateinamerikanische Staaten: Sie sind - mit Rückendeckung der Welthandelsorganisation WTO - von Anfang an gegen das US-Embargo Sturm gelaufen.


Delfinfeindliches Panama-Abkommen

Sigrid Lüber, Präsidentin der Arbeitsgruppe zum Schutz der Meeressäuger, lässt keinen guten Faden am Panama-Abkommen. Denn jetzt dürften Fischer auf ihren Schiffen gleichzeitig unbedenklichen und so genannt "delfintödlichen" Thunfisch transportieren. Vermischte Fänge könnten so als "Dolphin-Safe"-Thon in die Läden kommen, befürchtet sie.

Auch erhalte Thunfisch automatisch einen "Persilschein", falls Boote unter 400 Tonnen den Fang eingeholt hätten. Fischer könnten aber auch mit solchen Booten Ringnetze ausfahren, die für Delfine tödlich sind.

Vor allem aber stört die Delfinschützerin, dass neu jeder Fang so lange offiziell "delfinfreundlich" bleibe, als der an Bord mitfahrende Kontrolleur keinen toten oder schwer verletzten Delfin gesehen habe: "Es ist ja kein Problem, die Augen einfach ein bisschen in die Ferne zu richten", kritisiert Lüber.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) reagiert verärgert auf diese Entwicklung. "Derzeit kann man den Labels auf Thonbüchsen offenbar nicht blind vertrauen", konstatiert Eric Send von der SKS. Wenn die Logos keine Garantie mehr böten für delfinfreundliche Fangmethoden, täusche dies die Konsumenten. Tatsächlich verbietet das Lebensmittelgesetz irreführende Packungsaufschriften.


"Eigentlich müsste manThon jetzt boykottieren"

SKS-Geschäftsführerin Simonetta Sommaruga sprach in der Radiosendung Espresso von einer "unhaltbaren Situa-tion". Andreas Schneider von Greenpeace findet gar: "Eigentlich müsste man Thon jetzt boykottieren."

Das sehen Migros und Coop allerdings anders: Die beiden Grossverteiler sind über das Panama-Abkommen zwar auch nicht glücklich. Sie betonen aber, dass alle ihre Thonprodukte aus garantiert delfinfreundlichen Fängen stammten (siehe Kasten).

Bis Frühling 1999 waren die Delfinschutz-Signete unbestritten: Das "Dolphin-Safe"-Logo und ähnliche Labels gab es nur für Thunfisch, den die Fischer nachweislich ohne die für Delfine fatalen kilometerlangen Treib- und Ringnetze gefangen hatten.

Beobachter der Umweltorganisation "Earth Island Institute" (EII) inspizierten jährlich verdeckt und offen Fangboote, Transportschiffe, Landungsplätze, Kühlhäuser und Verarbeitungsbetriebe in weltweit über 15 Ländern. Die Kontrolle basierte auf Verträgen zwischen "Earth Island" auf der einen und Fischern, Thonproduzenten sowie Grossverteilern auf der anderen Seite.

"Earth Island" setzt diesesKontrollprogramm jetzt trotz des Panama-Abkommens fort. Zahlreiche Vertragspartner der Thunfischindustrie haben zugesichert, sich weiterhin an die strengen EII-Richtlinien zu halten. "Dennoch glauben wir, dass auch in Europa derzeit Thon verkauft wird, der zu Unrecht ein Delfinschutz-Label trägt", hält "Earth-Island"-Vertreter Mark Palmer fest.


Einheitliches Label lässt auf sich warten

Davon geht auch Delfinschützerin Sigrid Lüber aus. Für den Schweizer Markt rechnet sie zwar nicht mit riesigen Mengen, aber eben: Schon wenige falsche "Dolphin-Safe"-Dosen zerstören die Label-Sicherheit

08. März 2000


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