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Artikel | saldo 3/2000

BahnhofToiletten - Das Geschäft mit dem Geschäft

Die private WC-Betreiberin McClean macht auf grossen Bahnhöfen das Geschäft mit den Toiletten. Ist der Umsatz zu gering, leisten die SBB Finanzhilfe.

Eine saubere Sitzung im Hygienecenter kostet in Zürich 2 Franken, in Bern Fr. 1.50. Vorbei ist es mit den Zeiten, als Pinkeln im Bahnhofs-WC für Männer gratis war und für Frauen 20 Rappen kostete. Seit 1995 haben die SBB ihre Toilettenanlagen schrittweise vermietet: In den Bahnhöfen Basel, Bern, Lausanne, Genf, Thun, Luzern und Zürich schwingt nun die Privatfirma McClean die Klobürste.


Der Zustand der Bahnhoftoiletten ist oft unhaltbar

"Es regt mich auf, dass ich so viel bezahlen muss", sagt ein Berner Bahnbenützer. "Und es stört mich, dass wegen der hohen Preise auf den Boden gepinkelt wird." Tatsächlich: Im Bahnhof Bern hat es hinter den Gepäckschliessfächern verdächtige Lachen, ausserdem stinkt es penetrant nach Urin. Für viele Zugreisende unhaltbare Zustände.

Doch wo McClean den Thron poliert, muss die private Aktiengesellschaft keine Konkurrenz fürchten. Der WC-Monopolist bezahlt den SBB Miete und berappt den Bau der Einrichtung. Dafür kassiert er WC-Gebühren.

Doch das Business rentiert nicht überall. In Thun schliesst das Örtchen bereits um 21 Uhr - zu wenig Besucher. Damit McClean die Thuner Anlagen nicht ganz dicht macht, zahlen die SBB einen Betriebskostenanteil. McClean profitiert somit von den Gewinnen, bei Defiziten bezieht die Firma SBB-Subventionen - eine seltsame Form der Privatisierung. Konkrete Zahlen zu Umsatz und Ertrag sind jedoch von McClean nicht zu erfahren.

Kassensturz sah sich auch bei den öffentlichen Bahnhoftoiletten um. Aus Angst vor Vandalenakten schliesst Romanshorn seine WC-Türen schon um 21 Uhr. Ebenso Solothurn. Drückt dort die Blase, gibts nur noch das Bahnhofbuffet. In Olten sind die Toiletten sogar schon um 20 Uhr zu. Doch der Bahnhofsvorstand zeigt Erbarmen mit den Reisenden - und lässt bis 24 Uhr offen. Das Bahnhofbuffet in Burgdorf macht um 21 Uhr Feierabend, danach bleibt nur das stille, schmutzige Örtchen neben der Unterführung.


Die Stadt Winterthur zeigt, dass es auch anders geht

Es geht auch anders: Seit vergangenem Oktober hat Winterthur eine neue, helle und gut erreichbare WC-Anlage. Sie ist von 5 Uhr morgens bis um 1 Uhr nachts offen und dank finanzieller Zuschüsse der Stadt Winterthur gratis. Vandalen haben aber auch hier bereits Halt gemacht: Eine Klobrille fehlt.

Nicht nur die Öffnungszeiten sind ein Problem, auch die Hygiene. Immerhin reagieren jetzt die Bundesbahnen. Hans Zimmermann, Chef SBB-Liegenschaftenverwaltung: "Wir haben das Problem erkannt. Ein 250-köpfiges Clean-Team sorgt ab Ende Mai in der ganzen Schweiz für mehr Sauberkeit."

Igor Zilincan

16. Februar 2000


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Kommentare (1)

 
  • Ronnie | 04.10.2008, 20:43

    Warum kein Pay-Klo auf den Zügen?

    Leider haben die SBB den Vorschlag, auf ihren Zügen ein Pay-Klo
    einzurichten, nach Prüfung durch den Rollmaterialbereich
    abgelehnt. Schade, denn so wäre für Sauberkeit gesorgt
    worden und in den WC würden sich weder Raucher noch Kiffer
    rumtreiben. Mehr auf www.kassensturzblog.com
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