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Artikel | saldo 6/2000

Grossverteiler verlangen immer höhere Gebühren

pf ums ?berleben immer h?rter. Sie m?ssen riesige Summen aufwenden, um mit neuen Markenartikeln in die Regale der Grossverteiler zu gelangen. Und das, bevor der erste Artikel verkauft oder das Produkt beworben ist. Im Fach-Jargon heissen diese Zahlungen Listing-Geb?hren.

Urs Gamper, Mitglied der Gesch?ftsleitung des Schokoladenherstellers Maestrani in St. Gallen (170 Angestellte, 45 Mio. Franken Umsatz), klagt: "F?r einen neuen Artikel m?ssen wir 300 000 bis 400 000 Franken nur f?r Listing-Geb?hren aufwenden." Dann steht sein Produkt in den Regalen von Coop, Jumbo, Visavis und anderen Detaillisten.

Wen wunderts, dass drei bis vier Jahre vergehen, bis ein neuer Artikel schwarze Zahlen schreibt. Urs Gamper gibt zu: "Das ist schon f?r uns als mittelgrosses Unternehmen hart." Als un?berwindlich bezeichnet er diese H?rde f?r einen kleinen Produzenten. Einfacher haben es Food-Giganten wie Nestl? oder Unilever: Sie k?nnen die Listing-Geb?hren verschmerzen. Oder sich dank Kraft und Gr?sse auch mal einem Detailh?ndler widersetzen.

Doch nicht nur die kleinen und mittleren Hersteller leiden. "Auch die Konsumenten sp?ren die Auswirkungen", weiss Gamper. "Die Angebotsvielfalt nimmt laufend ab." Vor Jahren sei zum Beispiel die Auswahl bei den Tafelschokoladen noch bedeutend gr?sser gewesen.


15 Prozent h?here Geb?hren als im letzten Jahr

Was die Markenartikel-Branche besonders ?rgert: Anfang 2000 sind die Listing-Geb?hren zum Teil kr?ftig gestiegen: Coop, der gr?sste Markenartikelanbieter, verlangt nun maximal 89 300 Franken - 15 Prozent mehr als letztes Jahr. Seit 1995 haben sich die von Coop als Werbebetr?ge bezeichneten Geb?hren mehr als verdoppelt.

Nicht viel weniger kostet der Platz in den Gestellen bei Primo/Visavis: 80 000 Franken muss ein Produzent auf den Tisch bl?ttern. Die Frimago (Marketingorganisation f?r die Primo/Visavis-L?den) h?lt jedoch fest: "Regionale Produkte werden regional gelistet. Es ist nicht notwendig, daf?r eine nationale Listung f?r 80 000 Franken zu zahlen."

Und das verlangen die ?brigen Detaillisten f?r die Listung in der ganzen Schweiz: Pick Pay 36 000 Franken, Volg 23 000 Franken und Waro 18 000 Franken. Um bis zu 50 Prozent billiger ist bei fast allen die Platzierung von Frischprodukten.

Damit nicht genug: Will ein Hersteller sein neues Produkt mit einer Aktion lancieren, muss er noch tiefer in die Kasse greifen. F?r das auff?llig pr?sentierte Angebot verlangen die Detailh?ndler einen zus?tzlichen Betrag. Bei Coop ist dieser fast gleich gross wie die eigentliche Listing-Geb?hr. Den Preisnachlass auf dem Aktionsangebot tr?gt ebenfalls der Hersteller.


Ohne Listing hat ein neues Produkt kaum Chancen

Coop-Sprecher Karl Weisskopf verteidigt die hohen Geb?hren seines Unternehmens: "Mit dem Geld kann der Lieferant ein neues Produkt im Coop-Kanal ohne zus?tzlichen Werbeaufwand einf?hren. Das ist eine konkrete Marketing-Gegenleistung."

F?r den erneuten Anstieg rechtfertigt er sich: "Unsere Marktanteile haben zugenommen, die Verkaufsfl?chen sind gr?sser geworden und die ‹Coop-Zeitung› expandiert." Via Eigenpresse w?rden die neuen Produkte 2,74 Millionen Lesern vorgestellt, betont Weisskopf. "Die Reichweite betr?gt 51,3 Prozent."

Das stimmt zwar. Doch Weisskopf weiss nur allzu gut: Die Detailh?ndler sitzen am l?ngeren Hebel. Der Marktanteil von Migros mit ihren Eigenmarken und Coop betr?gt in gewissen Segmenten 70 Prozent. Wer nicht bei Coop gelistet ist, hat mit einem neuen Produkt keine ?berlebenschance.

Immerhin sind die Hersteller bei Coop mit der Leistung zufrieden. Maestrani-Mann Gamper: "Trotz der riesigen Summe geht f?r uns die Rechnung wegen des hohen Verkaufsvolumens auf", sagt er. Schlimmer sei die Situation bei andern Detaillisten. "Diese verlangen teilweise ?hnlich hohe Summen. Doch die Gegenleistung stimmt nicht."

Stefanie Grob, Jeannett

29. März 2000


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