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Viel verdienen mit dem Vermitteln einsamer Herzen - das verspricht Part-Line. Doch die angeworbenen Vermittler verlieren dabei Geld.
Die Ilona ist eine hübsche, schlanke und interessante Frau. Sie liebt ihren Beruf als Ärztin und wünscht sich einen liebevollen Partner mit Niveau und Herzenswärme." So wirbt die Firma Part-Line in Pratteln um einsame Seelen, die einen Lebenspartner finden wollen. Genauer: Nicht Part-Line selbst wendet sich auf diesem Weg an partnersuchende Singles, sondern Vermittler, denen das Unternehmen einen hohen Verdienst in Aussicht gestellt hat.
Peter Hausheer (Name geändert) ist einer dieser Vermittler. Um partnersuchende Kunden zu finden, zahlte er an Part-Line 380 Franken für 9000 Werbezettel. Da-rauf werden eine "hübsche Ärztin" oder ein "attraktiver Jungunternehmer" mit dem Slogan "Anrufen. Treffen. Verlieben." angepriesen.
Die Zettel soll Hausheer an beliebige Adressen verschicken. Ziel: möglichst viele Singles zu finden, die für einen Kontakt mit der Ärztin oder dem Unternehmer Geld zahlen. Nur: Hausheer, der als Vermittler den Kontakt zwischen der Ärztin und dem einsamen Herrn herstellen soll, kennt die beschriebene Frau gar nicht. Er weiss weder, wo sie wohnt, noch, wie alt sie ist. Noch ob sie überhaupt existiert.
Vermittler müssen 6000 Franken Kaution bezahlen
Wer auf die Part-Line-Werbung hereinfällt, zahlt für einen einzigen Partnervorschlag 537 Franken. Wer drei bis sechs Vorschläge will, zahlt 1505 Franken. Noch teurer wird es, wenn es eilt: Sechs Vorschläge innert sechs Monaten kosten 3455 Franken.
Teuer ist die Sache auch für den arbeitslosen Peter Hausheer. Mit dem Vermittlerjob könne er spielend 9000 Franken monatlich verdienen, köderte ihn Part-Line an einer Informationsveranstaltung. Die Interessierten im Saal waren begeistert. Ihre Aufgabe bestehe allein darin, Werbezettel mit Partnerangeboten zu verschicken und mit Interessenten Verträge abzuschliessen, hiess es. Pro Vertragsabschluss gebe es 35 Prozent Provision. Natürlich biete Part-Line eine seriöse Ausbildung.
Im Gegenzug müssten die angehenden Vermittler mit Part-Line einen Vertrag abschliessen. Darin verlangt die Firma eine Kaution von 6000 Franken, die der Vermittler nur zurückerhält, wenn er einen Jahresumsatz von 60 000 Franken erzielt. Kein Prob-lem, liess Part-Line die Neulinge wissen, ein solcher Umsatz sei ein Kinderspiel.
Das Werbemittel: handgeschriebene, billige Fresszettel
Hausheer hat den Vertrag unterschrieben und die 6000 Franken bezahlt. Doch schon beim ersten Ausbildungskurs beschlich ihn ein mulmiges Gefühl. "Von seriöser Ausbildung keine Rede", sagt er. Die Vertreter von Part-Line hätten pseudopsychologische Banalitäten erzählt, mit denen er nichts anzufangen wusste.
Stutzig wurde Hausheer auch, als er von Part-Line die Werbezettel erhielt: "billige, handgeschriebene Fresszettel". Dennoch hat er die Flugblätter auf eigene Kosten verschickt und auf Interessenten gewartet, die seinen Monatslohn sichern sollten. Hausheer hatte ausgerechnet: Um die versprochenen 9000 Franken Monatsgehalt einzustreichen, müsste er acht Verträge zu 1500 Franken pro Woche abschliessen.
Doch er wartete vergeb-lich. Auf die Zettelaktion hat er keine einzige Antwort erhalten, nicht einen einzigen Vertrag abschliessen können. Ausser Spesen nichts gewesen. Dasselbe ist auch der arbeitslosen Lisa Hügli (Name geändert) passiert. Auch sie hat 6000 Franken hingeblättert, Tausende dieser Zettel verschickt und bisher keinen Franken verdient. Ihr ist mittlerweile klar: Die 9000 Franken Monatslohn gehören ins Reich der Träume.
Part-Line: "Wer nichts macht, der verdient nichts"
Hausheer schmerzt die verlorene Kaution. Er hat sie von Part-Line zurückverlangt. Erfolglos. "Die 6000 Franken waren alles, was ich an Erspartem noch hatte", bedauert er. Das kümmert Part-Line wenig. "Wer nichts macht, der verdient auch nichts", schreibt Part-Line an saldo. Sie hätten etliche Berater, die den Umsatz von 60 000 Franken "in einem Monat erreichen".
Thomas Geiser, Rechtsprofessor in St. Gallen, hat
12. April 2000
