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Diagnose Prostata-Krebs: Wird der Tumor früh genug erkannt, kann er mit einer Operation erfolgreich bekämpft werden. Der Nachteil: Impotenz-Risiko.
Was für ein missratener Start in die Pensionierung: Im Alter von 62 Jahren hatte Hans Stoller* die Arbeit aufgegeben, um mit seiner Frau Ursula häufiger wandern und reisen zu können. Doch dann kam die Hiobsbotschaft im Mai 1999: erhöhter PSA-Wert im Bluttest auf Prostata-Krebs. Ein Alarmzeichen!
Jährlich sterben in der Schweiz 1500 Männer an Prostata-Krebs
"Es war ein gewaltiger Schock", erinnert sich Hans Stoller. Seine Frau Ursula ergänzt: "Ich war zuerst wütend, dass es ausgerechnet ihm passieren musste. Und dann überfiel mich ein riesiger Schrecken, weil Krebs so bedrohlich ist!"
Der Hausarzt überwies Stoller an die Urologen im Kantonsspital Aarau für
weitere Abklärungen: Ultraschall und Gewebeprobe der Prostata, die Suche nach Metastasen. Stoller hatte Glück im Unglück: Der erbsengrosse Tumor war klar auf die Prostata begrenzt und hatte noch keine Ableger gebildet.
Stoller ist einer der 3000 Männer in der Schweiz, die pro Jahr die Diagnose Pros-tata-Krebs erhalten. Ab 60 Jahren nimmt die Zahl der Prostata-Tumoren schnell zu. 1500 Männer sterben jährlich an Prostata-Krebs, der Metastasen gebildet hat.
"Warum die Prostata bösartig zu wachsen beginnt, ist noch ein Rätsel", sagt Dr. Franz Recker vom Kantonsspital Aarau. "Mehrere Faktoren spielen hier offenbar zusammen: Vererbung, westliche Ernährung mit wenig Gemüse und hormonelle Einflüsse."
Im Spätstadium lässt sich nur noch das Wachstum des Tumors verzögern
Heimtückisch ist, dass der Prostata-Krebs über Jahre hinweg symptomlos bleibt. Er macht erst sehr späternsthafte Beschwerden: das Wasserlösen wird schwierig und tut weh, Becken und Knochen beginnen diffus zu schmerzen. Die gleichen Symptome treten auch beim gutartigen Prostata-Wachstum auf. In diesem Fall sind sie unangenehm, aber nicht lebensgefährlich.
Anders der Prostata-Krebs im Spätstadium: Wenn der Tumor die Prostata überwuchert und Ableger gebildet hat, ist eine Heilung unmöglich. Das Tumorwachstum lässt sich nur noch verzögern - durch Testosteronentzug, Hormonbehandlung oder Bestrahlung.
Im frühen Stadium sind die Aussichten viel besser. "Wenn der Tumor noch klar auf die Prostata begrenzt ist, können acht von zehn Männer mit einer Heilung rechnen", schätzt Franz Recker. Die häufigste Therapie-Methode ist die Radikaloperation: Die Prostata wird vollständig entfernt. Dabei geht auch jener Teil der Harnröhre verloren, der mitten durch die Prostata führt. Der gefürchtete Nachteil: "60 bis 90 Prozent der Männer sind nach dem Eingriff impotent", erklärt Recker, "und 5 Prozent verlie-ren die Kontrolle über den Harnfluss."
Hans Stoller entschloss sich trotz dieser Risiken für die Operation, ein Entscheid, den er gemeinsam mit seiner Frau traf. Am 11. Januar 2000 wurde er operiert, ein dreistündiger Routine-Eingriff unter Vollnarkose.
Medikamente wie Viagra oder Muse verhelfen wieder zu einer Erektion
Im Frühling wird sich der Patient erholt haben und definitiv wissen, ob er seine Potenz verloren hat. Er kann aber getrost abwarten: Ers-tens verhelfen Medikamente wie Viagra oder Muse heute jedem zweiten Mann ohne Prostata wieder zur Erektion. Und zweitens findet Ursula Stoller: "Wir sind nun seit 37 Jahren verheiratet. Ich glaube nicht, dass Impotenz unsere Ehe zum Scheitern bringen könnte. Viel wichtiger ist doch, dass wir das Leben noch möglichst lange miteinander geniessen können."
Konrad Wepfer
*Name von der Redaktion geändert
01. Januar 2000
