|
(0) |
Gebrochene Paddel, keine Sicherheitskammern, kaum lenkbar: Vier von zehn getesteten Gummibooten haben teils gravierende Mängel.
Am Strand und in Badeanstalten wimmelt es im Sommer nur so von Gummibooten. Doch wie sicher sind diese Boote? Mitte Mai verloren zwei junge Männer ihr Leben, als sie im Rheinkanal mit einem solchen Gummiboot unterwegs waren. Der K-Tipp hat deshalb zehn «Badeböötli» einem Praxistest unterzogen (siehe unten «So wurde getestet»).
Die Testresultate sind bedenklich:
Trotz der Mängel sieht man bei Interdiscount kein Problem: Das Boot weist laut Sprecherin Sandra Dietrich «das beste Preis-LeistungsVerhältnis auf». Man werde die Testergebnisse bei Neubeschaffungen aber «mitberücksichtigen». Fazit: Die meisten «Badeböötli» seien von Bauweise und Material her keine Boote, sondern eher «Luftmatratzen mit Rand», so Lukas Barth. Die Boote eignen sich fürs Planschen in Ufernähe. Sie sind jedoch völlig ungeeignet für Ausfahrten auf Flüssen.
So wurde getestet
Der K-Tipp hat auf dem Zürichsee zehn Gummiboote (Preisspanne: 36 bis 139 Franken) einem Praxistest unterzogen. Die Experten: Christoph Müller, Beratungsstelle für Unfallverhütung, Lukas Barth, Mitglied der Ausbildungskommission des Schweiz. Kanuverbandes, Stephan Burch, Tauchschule Poseidon Zürich, Werner Buholzer, Bootsfahrlehrer. Zudem mit dabei: Philipp Hösli, siebenjähriger Schüler.
Bewertet wurden: Sicherheit, Praxistauglichkeit und Ausstattung. Zentrale Kriterien waren Ein- und Aussteigen vom Land wie vom Wasser aus sowie das Fahrverhalten mit voller Besatzung. Zur Überprüfung der Sicherheit simulierten die Experten unter anderem einen Riss in der Hauptkammer: Sind die Boote auch mit wenig Luft noch lenkbar? Weitere Prüfpunkte: Bedienungsanleitungen und Ausstattung (Sicherheitsventile/-kammer, Pumpe, Paddel, Reparaturset).
Verhaltensregeln beim Badebootfahren
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung und die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft empfehlen folgende Verhaltensregeln beim Fahren mit Bade- und Schlauchbooten:
Im Weiteren bietet auch die Kantonspolizei Thurgau ein Merkblatt für Fahren mit Booten auf Flüssen.
Sicherheitsventile, Druckanzeigen, Pumpen und Paddel
Achten Sie beim Kauf eines Badebootes besonders auf das Zubehör und die Ausstattung. Denn: Die Hersteller sparen gerne an der Qualität der mitgelieferten Paddel und Pumpen, wie der K-Tipp-Praxistest zeigt. Zum Beispiel: Nur eine Pumpe (Seehawk-Modell, Athlethicum) ist wirklich brauchbar. Drei Boote (Challenger 4, Home Leisure Cruiser und Bestway Superspeed) hatten weder Paddel noch Pumpe dabei. Beim Interdiscount-Boot fehlten die sicheren Schraubventile vollständig, und bei vier Booten gab es keine Bedienungsanleitungen. Immerhin: Wer sucht, findet auf allen Verpackungen die wichtigsten Sicherheitshinweise.
Und nur bei vier Booten gab es in der Hülle einen eingearbeiteten, dehnbaren Streifen, der als Druckkontrolle dient. Die Boote können nämlich platzen, wenn sie zu lange an der Sonne liegen. Für kleine Löcher in der Hülle legen sieben Hersteller noch Flickzeug bei.
15. Juni 2009 | Christian Birmele, Darko Cetojevic
