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Test | Haus & Garten 3/2006

Hochdruckreiniger

Hochdruckreiniger putzen mit viel Effizienz - sofern die Geräte wirklich etwas taugen. Im Test sind die Unterschiede in der Reinigungsleistung gross: Von «sehr gut» bis «ungenügend».

Dass Männer nur dann gerne putzen, wenn sie eine Maschine zur Hilfe nehmen können, ist ein ebenso altes wie nicht widerlegbares Cliché und trifft natürlich auch auf Hochdruckreiniger zu.

Hochdruckreiniger sind nützliche Hilfsmittel, vor allem, wenn es ums Reinigen grosser Flächen geht. Terrassen, Garagenvorplätze, Holzböden, Gartentrittplatten und -möbel, Rollläden und Fahrzeuge - die Liste lässt sich fast beliebig verlängern.

Das Wirkprinzip ist einfach. Das Wasser plätschert nicht wie aus einem Gartenschlauch auf die zu reinigende Fläche - es übernimmt dank des hohen Wasserdrucks gleich auch die Funktion einer Bürste. Ein grosser Vorteil ist, dass im Vergleich zur Reinigung mit dem Gartenschlauch nur ein Bruchteil an Wasser verbraucht wird.

Je höher der Druck, desto besser die mechanische Wirkung des Wasserstrahls. Die Hersteller geben den Maximaldruck auf der Verpackung an. Doch zeigt sich im Test von «Haus & Garten», dass der deklarierte Druck nicht unbedingt zu einer besseren Reinigungsleistung führt. Dafür gibt es Gründe: Die Hersteller geben oft den Druck an, den die Pumpe theoretisch aufbauen kann. Je nach Konstruktion des Geräts ist er aber um einiges tiefer. Natürlich machen die Hersteller gerne möglichst hohe Angaben, um potenzielle Kunden zu beeindrucken.

Welche Hochdruckreiniger gut putzen, wollten «Haus & Garten» und Kassensturz wissen und kauften in Baumärkten fünf Modelle zwischen 88 und 299 Franken. Drei sind leichtere Handgeräte zum Tragen. Einhell und Kärcher K 3.97 Fifa sind schwerer, dafür mit Rädern ausgerüstet. Das Ipi-Institut für Produktforschung im deutschen Esslingen testete die Geräte auf Reinigungswirkung, Handhabung und auf den Stromverbrauch.


Blitzsaubere Gartenplatten mit Kärcher

Wie gut die fünf reinigen, testete das Labor anhand von Gartenplatten und Autofelgen: Beim Putzen von Gartenplatten zeigten sich gewaltige Unterschiede. Das Luxusmodell im Test, Kärcher K 3.97 Fifa, reinigte die Platten regelmässig, sauber und schnell: Bestnote. Das zweite Kärcher-Modell folgte mit seiner «guten» Reinigungsleistung auf Platz zwei. Mit dem Einhell-Gerät BHR 101 BP hingegen wurden die Gartenplatten nur mässig sauber, das reichte knapp für die Bewertung «genügend».

Klar unbefriedigend war der PW 1400 von Black & Decker: Die Platten wurden nicht sauber, es blieben schmutzige Streifen zurück. «Mit diesem Gerät sprüht man höchstens Moos nass», urteilt Ipi-Prüfleiter Swen Richert. Da verschmutzte Gartenplatten und vermooste Mauern zu den Haupteinsatzgebieten eines Hochdruckreinigers gehören, wurde dieses Modell im Gesamturteil zu «ungenügend» abgewertet.


Schlechte Noten: PW 1400 verschwindet vom Markt

Auch dem Hersteller ist offensichtlich nicht entgangen, dass der PW 1400 nicht befriedigt. Die Migros - verantwortlich für die Obi-Grossmärkte - schreibt, dass Black & Decker wegen schlechter Testergebnisse den PW 1400 nicht mehr liefere. Stattdessen führe Obi nun das Modell PW 1300, das mit hartnäckigem Schmutz besser zurechtkomme.

Mit den Felgen hatten alle Geräte ihre liebe Mühe: Der feine Bremsstaub haftet so hartnäckig am Metall, dass er sich nicht ohne Reinigungsmittel lösen lässt. Das Labor führte den Test denn auch mit einem Flüssigreiniger durch. Das half: Bei allen Geräten verbesserte sich das Resultat deutlich. Für die Bewertung wurde nur der Test mit Reinigungsmitteln berücksichtigt. Die Ergebnisse beim Felgenreinigen waren denn auch ähnlich: «genügend» bis «gut». Nur das teurere Kärcher-Modell hebt sich mit einer deutlich besseren Note ab.


Rotationsdüse verbessert Reinigungsleistung

Für das gute Abschneiden der beiden Kärcher-Modelle macht Prüfleiter Swen Richert die Rotationsdüse verantwortlich. Während bei herkömmlichen Flachstrahldüsen der Wasserstrahl auf einer Linie austritt, schiesst das Wasser bei der Rotationsdüse als Punktstrahl aus einem einzigen Loch - mit dem Vorteil, dass der Druck höher ist. Um dennoch eine Fläche reinigen zu können, rotiert dieser Strahl blitzschnell im Kreis.

Rotationsdüsen - von Kärcher unter dem Namen «Dreckfräse» patentiert - sind zwar auch von anderen Herstellern erhältlich. Im Test war dieses System aber einzig bei den Kärcher-Modellen im Lieferumfang enthalten. Beim Kärcher K 2.01 fehlt jedoch die herkömmliche Flachstrahldüse als Zubehör.


Aquatak 10: Mängel bei der Handhabung

Bei der Handhabung handelte sich das Bosch-Gerät Aquatak 10 nur eine knapp «genügende» Punktzahl ein. Grund: Der Verschlussmechanismus war defekt, das Gerät schlecht bedienbar.
Der Stromverbrauch war beim stärksten Gerät, dem Kärcher 3.97, am höchsten. Kein Wunder, da die Reinigungsleistung zum grossen Teil vom Wasserdruck und damit von der Kraft der Pumpe abhängt. Optimal wäre eine überzeugende Reinigungsleistung bei minimalem Stromverbrauch: Diesem Ideal kommt der Hochdruckreiniger Kärcher K 2.01 am nächsten.



Tipps für Einkauf und Reinigung

- Auf die Angaben der Hersteller zu Druck (in Bar) und Leistung (in Watt) kann man sich nicht verlassen. Das zeigt der Test. Geräte mit höheren Bar- und Watt-Angaben reinigen nämlich nicht zwingend besser.
- Für Putzaktionen auf unebenem Grund sind kleinere, leichte Hochdruckreiniger von Vorteil. Schwere Geräte muss man immer neu platzieren, was etwa in Treppenhäusern unpraktisch ist.
- Eine Vorrichtung zum Verstauen von Kabel und Pistole erleichtert Transport und Aufbewahren des Hochdruckreinigers.
- Das Zubehör ist wichtig: Bei Flächenreinigungen sind Rotationsdüsen den Flachstrahldüsen klar überlegen.
- Lange Pistolenkabel erleichtern die Handhabung, vor allem bei schweren Geräten.
- Ein automatischer Abschaltmodus vermeidet unnötigen Lärm und schont das Gerät.
- Fürs Reinigen von Lamellenstoren und Autos spezielle Aufsätze wie Waschbürsten verwenden.
- Heikle Objekte zuerst aus grösserer Distanz besprühen, vorsichtig näher gehen.
- Achtung beim Reinigen elektrischer Geräte: Kabel von Rasenmähern usw. immer zuerst ausstecken.



Stärken und Schwächen der getesteten Modelle

Das Ipi-Institut prüfte die fünf Hochdruckreiniger in der Praxis: Wie gut lassen sich Gartenplatten mit hartnäckigem Schmutz reinigen, wie gut lässt sich Moos entfernen?

In einem zweiten Anwendungstest wurden Pkw-Aluminiumfelgen mit den Hochdruckreinigern vom feinen und hartnäckigen Bremsstaub gereinigt.

In einem weiteren Test massen die Fachleute den Energieverbrauch der Geräte.

Und das sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle:

Kärcher K 3.97 Fifa
- Durch die Kombination von Rotationsdüse und hohem Druck lassen sich Gartenplatten mühelos in relativ kurzer Zeit von Schmutz, Moos und Flechten reinigen
- Sehr gute Tiefenreinigung
- Grosses Gerät, aber dank Rädern fahrbar
- Verstaumöglichkeit für Pistole und Strahlrohr vorhanden
Kärcher K 2.01
- Durch die Rotationsdüse lassen sich die Trittplatten in relativ kurzer Zeit von Moos und Flechten befreien
- Gute Tiefenreinigung
- Kleines und leichtes Gerät
- Für Pistole und Strahlrohr ist keine Verstaumöglichkeit vorhanden

Einhell BHR 101 BP
- Mit Flächenstrahl mässige Reinigungswirkung
- Entfernen von Moos nur durch Verstellen auf Punktstrahl und Verringerung des Abstandes zum Objekt möglich
- Leicht streifiges Reinigungsergebnis
- Nur mässige Tiefenreinigung
- Schweres Gerät, aber dank Rädern fahrbar
- Einfaches Ein- und Ausschalten dank Fussschalter
- Verstaumöglichkeit für Pistole und Lanze vorhanden

Bosch Aquatak 10
- Befriedigende Reinigungswirkung
- Entfernen von Moos nur durch Verringerung des Abstandes zu den Platten möglich
- Leicht streifiges Reinigungsergebnis
- Nur mässige Tiefenreinigung
- Keine Verstaumöglichkeit für Pistole und Lanze vorhanden
- Beim geprüften Gerät war nach kurzem Gebrauch der Verschlussmechanismus für den Wasserstrahl in der Pistole undicht: Der Strahl konnte durch Loslassen des Abzugs nicht unterbrochen werden

Black & Decker PW 1400
- Schlechte Flächenwirkung und geringe Reinigungstiefe
- Streifiges Reinigungsergebnis
- Entfernen von Flechten und Moos nur eingeschränkt möglich
- Sehr kleines und leichtes Gerät
- Verstaumöglichkeit für Pistole und Lanze vorhanden

28. Juni 2006 | ROLF MUNTWYLER


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