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Test | saldo 19/2005

Dispersionsfarben

Ein frischer Anstrich lässt Wände in neuem Glanz erstrahlen. Doch Dispersionsfarben enthalten oft heikle Stoffe. Von 10 Proben kann saldo nur 3 uneingeschränkt empfehlen.

Die eigene Wohnung neu zu streichen, ist eine Arbeit, die sich fast jeder zutraut. Das Material dazu gibts kostengünstig in jedem Baumarkt. Für Innenräume und grosse Flächen nimmt man am besten Dispersionsfarben. Sie bestehen grösstenteils aus Wasser, enthalten Farbpigmente, Bindemittel und einen geringen Anteil an Lösemitteln. Hinzu kommen diverse chemische Substanzen, welche die Farbe haltbar machen.

saldo wollte wissen, welche problematischen Stoffe in Dispersionsfarben stecken, und liess zehn Produkte aus Baumärkten und Fachgeschäften im Labor untersuchen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf Formaldehyd und die Stoffgruppe der Isothiazolinone gerichtet.


Formaldehyd: Drei Farben enthalten grössere Mengen

Die Resultate: Die Hälfte der Produkte ist frei von Formaldehyd. Zwei enthalten nur minimale Spuren. In den Farben Eurocolor, M-Budget und Exponit BB wies das Labor die Substanz jedoch in grösseren Mengen nach. In der Schweiz gibt es für Farben keinen Formaldehyd-Grenzwert. Das strenge Gütezeichen Natureplus setzt 20 Milligramm pro Kilogramm Farbe als Maximalwert an. Während das Jumbo-Produkt Eurocolor diesen Wert nur knapp überschreitet, liegen die M-Budget-Farbe und vor allem Exponit BB deutlich darüber. Die Domit AG - Lieferantin von Jumbo - versichert, dass dem Produkt kein Formaldehyd zugesetzt wird: «Es ist aber möglich, dass ein anderer enthaltener Rohstoff Formaldehyd abspaltet.» Die Lieferfirma will das Problem rasch beheben. Und Wolfram Selter von der Bosshard + Co. AG erklärt sich die Werte von über 100 Milligramm in Exponit BB «mit Rohstoffschwankungen oder ungünstigen Lagerbedingungen».

Formaldehyd wird als Konservierungsstoff eingesetzt. In der Luft freigesetzt, reizt es bereits bei niedriger Konzentration Augen und Schleimhäute. Aber: «Anders als bei Spanplattenmöbeln, die eine ständige Quelle von Formaldehyd sind, nimmt die Formaldehydbelastung durch Farbe nach dem Austrocknen stark ab», sagt Roger Waeber vom Bundesamt für Gesundheit.


Isothiazolinone: Eine heikle Stoffgruppe zur Konservierung

Um die Farben vor Schimmel- oder Bakterienbefall zu schützen, setzen einige Hersteller auch Isothiazolinone ein. Diese Stoffgruppe geriet in den letzten Jahren in Verruf, weil sie allergische Reaktionen wie etwa Ekzeme hervorgerufen hat. Daten aus diversen Spitälern zeigen, dass etwa 5 Prozent der getesteten Patienten auf die Isothiazolinone-Variante MCI reagieren.

In keiner einzigen Probe wies das Labor das Isothiazolinone MCI nach. «Das ist ein Fortschritt», kommentiert Markus Niederer vom Kantonalen Labor Basel. «Neu setzen Farbenhersteller vor allem auf die Verbindungen MI und BIT, die nicht aus den Farben ausdampfen und in die Raumluft entweichen», beobachtet Markus Niederer. Diese Verbindungen sind weniger problematisch, können aber bei empfindlichen Menschen durch Hautkontakt zu allergischen Reaktionen führen.


Konservierung: Primasol zeigt, dass es Alternativen gibt

Dass es aber auch ganz ohne Formaldehyd oder Isothiazolinone geht, zeigt das Beispiel der Thymos AG, welche die Primasol Wandfarbe herstellt. Sie setzt zur Konservierung ihrer Farben Borsalz und Bergamotte-Öl ein. Allerdings gibt es auch Menschen, die auf bestimmte ätherische Öle sensibel reagieren.

Fazit: Keine der untersuchten Dispersionsfarben enthält hohe Dosen gesundheitsgefährdender Substanzen. Bei drei Produkten sind die Formaldehyd-Gehalte und jeweils eine weitere nicht ganz unproblematische Substanz zu bemängeln. Vier weitere Farben sind mit leichten Einschränkungen und drei ohne Wenn und Aber zu empfehlen.



Diese Stoffe wurden untersucht

- Fomaldehyd: Konservierungsmittel, das bereits in geringen Mengen Schleimhäute reizt und Allergien auslösen kann. Formaldehyd gelangt während des Trocknungsvorgangs in die Raumluft.
- Isothiazolinone: Eine Stoffgruppe, die zur Konservierung der Farben eingesetzt wird. Die chlorhaltige Verbindung MCI löst häufig allergische Reaktionen aus. In den Produkten wurde nur die weniger problematische Verbindung MI nachgewiesen.
- Terpene: Organische Verbindungen, die in ätherischen Ölen vorkommen. Sie werden als Lösemittel und Riechstoffe eingesetzt und können bei Allergikern Atmungsorgane und Schleimhaut reizen. 2 der 10 getesteten Farben enthielten Terpene.
- Glykolether und -ester: Grosse Stoffgruppe, die als Lösemittel eingesetzt wird und zu Bindehautreizungen und Nierenschäden führen kann. Drei Produkte enthielten diese Stoffe.
- Phthalate: Weichmacher, die im Verdacht stehen, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen. Die Werte, die das Labor fand, waren nicht alarmierend hoch.

23. November 2005 | Sigrid Cariola


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Schädliche Substanzen im Wandanstrich
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