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Test | saldo 4/2005

Teppiche

Teppiche enthalten oft Chemikalien, die für ein ungesundes Raumklima sorgen. Die gute Nachricht: Viele der Stoffe verflüchtigen sich, wenn die Teppiche gut ausgelüftet werden.

Teppiche verbreiten eine behagliche Wohnatmosphäre, und so manches Wohnzimmer wird erst dank eines farbigen Blickpunkts richtig gemütlich. Kommt hinzu, dass die Teppiche sich weich anfühlen und gut isolieren - Eigenschaften, die auch Kinder lieben, wenn sie am Boden spielen. Aber Vorsicht: Oft enthalten neue Bodenbeläge Substanzen, die der Gesundheit schaden und das Wohnklima belasten. Meist handelt es sich um Ausrüstungschemikalien, welche die Industrie für die Produktion der Teppiche verwendet.

Die welsche Konsumentenorganisation Fédération Romande des Consommateurs hat zusammen mit der französischen Union Fédérale des Consommateurs geprüft, ob die Teppiche flüchtige organische Verbindungen sowie Formaldehyd und Ammoniak an die Umwelt abgeben. saldo publiziert die Resultate jener fünf Teppiche, die auch in der Schweiz erhältlich sind. Nur ein einziges Modell erhielt das Gesamturteil «sehr gut»: der Teppich Marikat des Versandhauses La Redoute. Die Teppiche von Top Tip und Micasa hingegen schnitten mangelhaft ab, die Produkte von Ikea und Fly erhielten gar die Note «schlecht».


Für Wohnräume keine Höchstwerte festgelegt

Bei flüchtigen und schwer flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) handelt es sich um eine ganze Reihe von Kohlenwasserstoffen, die meistens aus Lösemitteln stammen. Auch Farbstoffe, Reinigungsmittel und Klebstoffe enthalten oft VOC. Die Substanzen können beim Menschen für Kopfschmerzen, Müdigkeit, Augenreizungen, Hautrötungen und Unwohlsein sorgen. Die Schweiz kennt bezüg-lich VOC und SVOC in Wohnräumen keine Höchstwerte.


Fly-Teppich: Viel Ammoniak und Formaldehyd

Die deutsche Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichböden (GUT) vergibt ein Qualitätssiegel für schadstoffgeprüfte Teppiche. Das GUT-Label erhalten nur Produkte, welche nicht mehr als 300 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) VOC und 30 µg/m3 SVOC enthalten. Die Zeitschrift «Öko-Test» hat das Label im Jahr 2001 allerdings als «nicht empfehlenswert» eingestuft, weil es nicht genügend streng sei.

Dennoch überschreiten zwei Teppiche im Test sogar die GUT-Grenzwerte: Beim Ikea-Modell Strib wurden nach der ersten Messung 350 µg/m3 VOC gemessen. Der Teppich Biarritz von Fly überschritt die GUT-Grenzwerte gleich um mehr als das Zwölffache - er enthielt 370 µg/m3 SVOC.

Wohnungen sind oft mit Formaldehyd belastet - dieser Stoff kann aus Teppichböden, Spanplatten, Parkettbelägen und Textilien ausgasen oder via Zigarettenrauch in die Luft gelangen. Formaldehyd gilt als Krebs erzeugender Stoff. Deshalb kennt die Schweiz denn auch seit 1991 für Wohnräume einen Richtwert von 125 µg/m3. Zwar überschritt keiner der geprüften Teppiche diesen Wert, aber empfindliche Personen können bereits bei weit niedrigeren Konzentrationen unter Haut- und Augenreizungen sowie Kopfschmerzen leiden. Deshalb wurden die Modelle Tasha von Top Tip und Biarritz von Fly abgewertet. Der Teppich des Möbelhauses Fly enthielt selbst bei der zweiten Messung nach vier Wochen noch erhebliche Mengen Formaldehyd.

Zwei der Teppiche fielen durch einen unangenehmen Ammoniakgeruch auf. Das stechend riechende Gas reizt die Atemwege und kann Husten und Atemnot auslösen. Zudem kann Ammoniak die Ursache für Hautentzündungen sein. Wie bei den flüchtigen organischen Verbindungen gibt es auch für Ammoniak keine gesetzlichen Höchstwerte für Wohnräume. Die Teppiche von Ikea und Fly erhielten bei diesem Kriterium die Note «schlecht».


Nach vier Wochen: Keine kritischen Werte mehr

saldo hat die Anbieter jener Teppiche mit den Ergebnissen konfrontiert, die mit dem Gesamturteil «mangelhaft» oder «schlecht» abschnitten. Sonja Blöchlinger von Ikea schreibt, der Ammoniakgehalt des Teppichs Strib sei nicht akzeptabel, deshalb werde die Situation überprüft und so rasch wie möglich verbessert. Micasa-Lieferant Balta macht geltend, dass der VOC-Gehalt des Teppichs Color unter allen relevanten Normen liege.

Im Labor wurde die Schadstoffbelastung nach 3 und nach 28 Tagen gemessen. Dabei zeigte sich, dass sich praktisch alle problematischen Substanzen innerhalb von vier Wochen auf ein unkritisches Niveau reduzierten. Wer sich also einen neuen Teppich kauft, tut gut daran, ihn zuerst einige Tage auf dem Balkon auszulüften oder zumindest in den ersten Wochen nach dem Kauf das Wohnzimmer regelmässig zu lüften.



So wurde getestet

Die Teppiche wurden Ende 2004 in der Originalverpackung eingekauft. Im Labor wurde ein 75 mal 75 Zentimeter grosses Stück ausgeschnitten und in eine stählerne Prüfkammer gelegt. Simuliert wurde ein Raum von 12 Quadratmetern, in dem sich 30 Kubikmeter Luft befinden. Bei einer Temperatur von 23 Grad Celsius, einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent und einer Luftaustauschrate von 50 Prozent pro Stunde wurde gemessen, ob und wie viele schädliche Substanzen die Bodenbeläge ausgasen. Ermittelt wurden die Gehalte von flüchtigen und schwer flüchtigen organischen Verbindungen, Formaldehyd und Ammoniak. Die Messung wurde erstmals nach 3 Tagen durchgeführt und nach 28 Tagen wiederholt.

02. März 2005 | Jeannette Büchel


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Chemische Dämpfe vergiften das Wohnklima
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