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Test | Gesundheits-Tipp 3/2003

Viele Kassen sind knausrig

Eine Psychotherapie kann ins Geld gehen. Umso mehr, als einige Zusatzversicherungen nur einen kleinen Teil der Kosten tragen. Der Puls-Tipp hat die Angebote verglichen.

Zuerst waren es depressive Stimmungen. Dann kamen Angstzustände und Panikattacken hinzu. Yvonne Berner, 28, aus dem Aargau wusste weder ein noch aus. «Ich brauchte dringend Hilfe und entschied mich, eine Psychologin aufzusuchen», sagt sie.

Sie hatte vorgesorgt und bei der Krankenkasse CSS die Zusatzversicherung für Psychotherapie abgeschlossen. Die Grundversicherung, das wusste sie, bezahlt zwar Psychiater vollumfänglich, Psychologen aber nur, wenn sie unter ärztlicher Aufsicht in einem Spital oder einer Praxis arbeiten.
Als sie die Abrechnung der Kasse sah, habe sie «zuerst gestaunt» und sich dann «ziemlich geärgert». Denn statt der 140 Franken übernahm die CSS nur 40 Franken - 100 Franken pro Sitzung musste die junge Frau selbst bezahlen.


Die Sanitas zahlt nur 500 Franken pro Jahr

Kein Einzelfall. Keine einzige der meistverkauften Zusatzversicherungen von grössten Kassen übernimmt die vollen Kosten einer Psychotherapie (siehe Tabelle). Die Unterschiede sind riesig: Die Swica zum Beispiel übernimmt 90 Prozent oder maximal 3000 Franken pro Jahr. Knausrig sind die Sanitas mit maximal 500 oder die Groupe Mutuel mit 700 Franken pro Jahr. Wer dort versichert ist, trägt schon nach rund sechs Sitzungen die vollen Kosten selber.

Das kann ins Geld gehen, wie bei Rebecca Hofer*, 35, aus Aarau: «Ich wurde als Kind missbraucht. Die Therapie hilft mir, dies zu verarbeiten», sagt sie. Bis heute hat die CSS-Versicherte 4500 Franken aus dem eigenen Sack bezahlt. CSS-Sprecher Stephan Michel sagt, punkto Leistungen für die Psychotherapie sei die CSS «im breiten Mittelfeld» anzutreffen.


Den Psychiater bezahlt die Grundversicherung

Anders läuft es bei Psychiatern. Dort deckt die Grundversicherung die Kosten, und zwar ganz. Patientin Yvonne Berner wollte nicht zu einem Psychiater, «weil diese meist zu schnell Medikamente abgeben». Bei einer Psychologin fühle sie sich besser aufgehoben.

Aus Kostengründen seien immer wieder Patienten gezwungen, eine Therapie abzubrechen, sagt ihre Therapeutin Renate Lietz aus Lenzburg. «Sie müssen zu einem Psychiater wechseln, der die Kassen letztlich teurer zu stehen kommt.»

Vor dem Entscheid für eine Zusatzversicherung sollte man die Leistungen der Kassen genau vergleichen. Fast alle Kassen verlangen die Überweisung durch den Hausarzt. Nicola Waldmeier vom VZ-Vermögenszentrum rät, neben dem maximal gedeckten Betrag auch Folgendes zu beachten:

- Verlangen Sie von der Krankenkasse eine Liste der Psychotherapeuten, welche die Kasse bezahlt. l Verlangen Sie vor Therapie-Beginn von der Kasse eine Kostengutsprache. Waldmeier: «Es kann sein, dass die Kasse einen Therapeuten von der Liste gestrichen hat - und deshalb nicht bezahlt.»

- Klären Sie ab, wie viele Sitzungen pro Behandlung bezahlt sind.

- Informationen erhalten Sie bei der Stiftung Pro Mente Sana. - Tel. 0848 800 858 (Fr. -.12/Min.), www.promentesana.ch

* Name geändert

19. März 2003 | Thomas Grether - thgrether@pulstipp.ch


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