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«Extra vergine» ist keine Garantie für Qualität

6 von 14 getesteten Olivenölen verdienen die Bezeichnung extra vergine nicht. Zu ihnen gehören auch zwei teure Bioprodukte, die schlammig, muffig, stichig oder gar ranzig schmecken.

«Extra vergine» ist keine Garantie für Qualität

Öle der höchsten Güteklasse extra vergine sind aufwendig in der Produktion. Die Oliven müssen frisch geerntet und einwandfrei sein. Das Öl darf nur durch mechanische Verfahren gewonnen werden. Zudem müssen sie in Geschmack und Geruch fehlerfrei sein und eine gewisse Fruchtigkeit aufweisen.
Der K-Tipp liess 14 Öle untersuchen und durch Olivenöl-Experten beurteilen. Fazit der Labor-Analysen: Keines der Produkte enthielt Fremdöle.
Weit weniger erfreulich jedoch die Beurteilung von Geschmack und Geruch: Nur gerade zwei sind von den Testpersonen für «gut ausgewogen» befunden worden. Bei vier Produkten erwiesen sich Geschmack und Geruch als genügend, zwei Öle bekamen ungenügende Noten.
Bei der sensorischen Prüfung fielen gleich 6 der 14 Produkte durch. Sie erfüllen die strengen Kriterien für die Klassifizierung extra vergine nicht.
Details  und Rangliste zum Test finden Sie hier.

19. Juni 2010 | Daniel Jaggi, Redaktor K-Tipp


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Kommentare (1)

 
  • PHILIPP_NOTTER | 22.06.2010, 10:06

    Etikettenschwindel bei Olivenöl

    Sehr geehrte Frau Rufer
    Sehr geehrter Herr Jaggi

    Ich gratuliere Ihnen zu diesem Olivenöltest. Er ist m.E. ein
    seltener, seriös aufgebauter Warentest, der wohl ein guter
    Querschnitt der Öle präsentiert die Herr und Frau Schweizer
    konsumieren. Für mein Empfinden fehlt leider das Segment der
    Qualitätsöle für die kalte Küche ab CHF 50.-/L,
    aber das hätte wohl den jetzigen Rahmen gesprengt. Sehr hilfreich
    ist die sauber und detailliert dargestellte Tabelle inkl. deklarierter
    Ursprung. Generell wurde gut recherchiert und zitiert, was leider kaum
    mehr vorkommt.

    Das Resultat, dass „Extra Vergine“ noch (immer) keine Garantie
    für Qualität ist, überrascht in keiner Weise und zeigt,
    dass es mehr Ehrlichkeit seitens uns Produzenten bei der Auslobung,
    aber auch regelmässig solche schonungslose Tests braucht.

    Apropos „schonungslos“: Ein paar kritische Bemerkungen kann ich mir
    trotzdem nicht verkneifen.

    Sie schreiben, dass für die Sensorische Bewertung der Öle
    nach aktueller EU-Gesetzgebung beauftragte Öl-Panel sei vom IOC
    (Int. Olive Counsil, Madrid) akkreditiert. Momentan ist dies in
    Deutschland nur das Bayrische Landesamt für Gesundheit und
    Lebensmittelsicherheit (LGL), unter der Leitung von Frau Dr. Gabriele
    Zeiler-Hilgart. Für mein Empfinden ist das Urteil dieser Experten
    erstaunlich milde ausgefallen. Dass von 14 Ölen der untersten
    Preiskategorie mit 8 Ölen die Mehrheit der höchsten
    Qualitätsklasse Extra Vergine (Nativ Extra) entsprechen ist
    eigentlichen eine Sensation. Man bedenke, dass von Gesetzes wegen (EG
    Verordnung 640/08, bzw. 2568/91) für Extra Vergine nicht ein
    Hauch eines Fehlaromas (Fehlertoleranz = 0!) zugelassen ist, und
    immerhin 16 definierte Fehlaromen zur Verfügung stehen um sehr
    präzise die Qualitätseinstufung vornehmen zu können.

    Da Sie dem Spanischen Öl von DENNER (Aceites Borges Pont, S.A.)
    für aktuell CHF 4.95/L die höchste Qualitätsklasse
    Extra Vergine bescheinigen, musste ich heute sofort eine Flasche
    dieses „Geschenks“ kaufen (Haltbarkeitsdatum: 04-2011, Lot. Nr.
    103450). Was für eine Enttäuschung! In der Nase stichig und
    deutliche Fermentationsnoten von überreifen Früchten und im
    Gaumen buttrig/tranig – ähnlich einem Stück ranzigem Butter.
    Zudem besitzt es praktisch keinen Aromenkörper, was normalerweise
    eher typisch ist für raffiniertes Olivenöl, dass mit etwas
    Extra Vergine „gestreckt“ wurde. Ich kann mir nur schwer vorstellen,
    das die heute gekaufte Flasche vor irgend einem der weltweit rund 40
    IOC-Panels als Extra Vergine bestehen würde. Dies ist jetzt nur
    (m)eine Einzelmeinung die sich genau und nur auf diese eine Flasche
    bezieht, aber es zeigt exakt Ihr Problem: Weder geben Sie zu den
    getesteten Ölen die dazugehörige Lotnummer noch das Data an.
    Auch ist die Stichprobengrösse unbekannt, womit sich Ihr
    publiziertes Resultat nur auf eine einzelne, unbekannte Flasche
    bezieht und somit die Validität, bzw. Aussagekraft für den
    Konsumenten leider kaum nutzbar ist. So gesehen kritisiert Coop
    zurecht Ihr Test. Erstaunt bin ich zudem vom schlechten Abschneiden
    des Filippo Berio Öls, da dieser Abfüller m.E. jeweils
    ähnlich anständige Rohöle einkaufte und abfüllte
    wie Monini – war dies evtl. eine Flasche von der Vorjahresernte?

    Die letzte Kritik betrifft die fehlenden Hinweise, bzw. die korrekte
    Einteilung/Rückstufung in die weiteren Qualitätsklassen
    „Vergine“ (zweithöchste Qualitätsklasse) sowie „Olio
    d’Oliva“ (einfachste Klasse, die für den Verzehr zugelassen ist).
    Ein Öl, dass immerhin der Klasse „Vergine“ (Nativ) entspricht,
    kann durchaus ein gutes Öl sein, dass nicht nur für
    Grilladen oder Pizza sondern auch Mal für die kalte Küche
    verwendet werden kann. Ihr Artikel erweckt jedoch den Eindruck, dass
    nur Extra Vergine ein brauchbares Olivenöl sei. Um auf obiges
    DENNER-Öl zurückzukommen: Dies ist für mich immerhin
    noch ein sehr günstiges Olio d’Oliva und wunderbar zum Frittieren
    geeignet.

    Trotz aller Kritik: Super Arbeit und ich hoffe, der nächste Test
    folgt bald und noch eine Spur transparenter.

    Cordiali saluti aus dem Olivenhain
    Philipp Notter, Olivenbauer
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