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Die Jungfraubahnen haben Ende Mai eine Besucherlimite von 5000 Personen auf dem Jungfraujoch eingeführt. Dass die Limite am 13. Juni schon um 10.00 Uhr erreicht war, erfuhren viele Besucher erst in Interlaken Ost.
Eine Fahrt zum Jungfraujoch bildet für viele Touristen den Höhepunkt ihres Schweiz-Aufenthalts. Aber auch Einheimische gönnen sich gelegentlich den teuren «Höhenflug» – eine Fahrt auf den Gipfel kostet für eine Einzelperson ohne SBB-GA und Halbtax ab Interlaken Ost happige 182 Franken. Die Anreise nach Interlaken Ost kostet zusätzlich.
Der zweifache Familienvater Bernhard Bircher wollte sich die Coop-Promotionsaktion für vergünstigte Jungfraujoch-Tickets zum Preis von 65 Franken daher auf keinen Fall entgehen lassen. Am 13. Juni fuhr er zusammen mit seinem 4-jährigen Sohn per Bahn von Zürich nach Interlaken Ost. Ein vorgängiger Billetkauf war nicht möglich. Telefonisch wurde ihm am frühen Morgen vor der zweistündigen Anreise beschieden, das es genügend Bahnkapazitäten habe. Es würden aber viele Touristen erwartet.
Besucherlimite längst erreicht
In den Schalterhallen des Bahnhofs Interlaken Ost wurde nirgends darüber informiert, dass die neue Besucherlimite von 5000 Personen pro Tag schon seit 10.00 Uhr am Morgen erreicht war. Daher stand Bircher zusammen mit vielen anderen Touristen rund eine Stunde vergeblich für Billette an. Kundenberaterin Doris A. beschied ihm sodann, dass alle Tickets ausverkauft seien. «Im Zug auf die Schynige Platte habe ich dann diverse andere Ausflügler angetroffen, die genau dasselbe Problem hatten und sichtlich verärgert waren über die Informationspolitik der Jungfraubahnen», erzählt Bircher.
Reservation kostet extra
Für den ins Leere gelaufenen Familienvater ist ein erneuter Gipfelsturm kein Thema mehr: «Obwohl ich mich per Web und Telefon vorgängig informiert habe, haben wir es nicht auf das Jungfraujoch geschafft. Ich bezweifle, dass es an einem schönen Sommertag doch noch klappt.» Was Bircher nicht wusste: Die Jungfraubahnen bieten zu bestimmten Abfahrtszeiten ein Kontingent von reservierten Sitzplätzen für Einzelreisende auf der Strecke Kleine Scheidegg – Jungfraujoch und umgekehrt an. Ein Platz kostet je Reisestrecke zusätzlich fünf Franken und kann bis spätestens am Vortag auf der Webseite der Jungfraubahnen gebucht werden. «Einen Reservations-Zuschlag von zehn Franken finde ich bei den schon gesalzenen Preisen den Gipfel des Gipfels», sagt Bircher zu diesem Angebot.
Besserung versprochen
Die Direktion der Jungfraubahnen nahm zur mangelhaften Kundeninformation wie folgt Stellung: «Das Herr Bircher am Bahnhof Interlaken Ost nicht darüber informiert wurde, dass der Ausflug zum Jungfraujoch bereits seit einer Stunde ausverkauft war, ist selbstverständlich ein Versäumnis unsererseits.» Es gebe pro Jahr zwischen fünf und acht Tagen, an denen die Nachfrage nach einem Ticket zum Jungfraujoch überwältigend gross sei. Die Gewährleistung einer gewissen Qualität bei den Ausflugszielen habe aber erste Priorität. Diese Tatsache habe die Jungfraubahnen gezwungen, nicht mehr als 5'000 Fahrgäste pro Tag aufs Jungfraujoch zu führen. Immerhin: Die Jungfraubahnen haben gemäss eigenen Angaben mittlerweile Informationsständer anfertigen lassen, die bei Ausverkauf der Tickets vor den Bahnhöfen aufgestellt werden und auch Informationen über Alternativangebote beinhalten. Ebenfalls werde der Ausverkauf in Zukunft über den lokalen Infokanal aufgeschaltet. Zudem kläre die Geschäftsleitung ab, ob die Meldung eines Ausverkaufs zusätzlich auch in Radioverkehrsmeldungen integriert werden könne.
22. Juni 2009 | bbs
