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Mundtabak ist bei Spitzensportlern beliebt. Jeder dritte Eishockey-Profi steckt sich Snus unter die Lippen. Dabei ist Snus eine gefährliche Nikotinbombe.
Snus (sprich: Snüs) oder Snaff ist eine Art Kautabak, den Sportler und Trainer vor gut zehn Jahren aus Skandinavien und Nordamerika in die Schweiz brachten. Snus wird offen oder in kleinen Beuteln zwischen Lippen und Zähnen platziert. Das Nikotin gelangt über die Schleimhäute sofort ins Blut.
Konzentration: Wie drei Zigaretten auf einmal
Snus wurde in Schweden als rauchfreie und somit gesündere Tabakvariante erfunden. In Wahrheit aber ist der hoch dosierte Mundtabak eine gefährliche Nikotinbombe. «Die Nikotinkonzentration ist dieselbe, wie wenn jemand drei Zigaretten auf einmal rauchen würde», sagt Sportmediziner und Internist Beat Villiger, der seit Jahren vor Snus warnt.
Während die stimulierende Wirkung einer Zigarette nur einige Minuten dauert, hält jene des Mundtabaks an. Das Suchtpotenzial von Snus ist immens. Olympia-Arzt Villiger bringt es auf den Punkt: «Die Abhängigkeit von Snus ist durchaus mit derjenigen von Morphium vergleichbar. Man wird sehr schnell süchtig und hat grösste Schwierigkeiten, wieder davon loszukommen.»
Im Gegensatz zu den Rauchern sterben Snuser zwar kaum an Lungenkrebs. Dennoch können die Folgen von jahrelangem Snus-Konsum verheerend sein. Mundtabak führt zu schweren Schäden an Zähnen und Zahnfleisch und schädigt die Schleimhäute in Mund und Rachen. Vor allem aber steigt auch das Risiko für Krebsgeschwüre an Gaumen, Zunge, Speiseröhre und Magendarmtrakt um ein Vielfaches.
Der Verkauf von Kau- und Mundtabak ist in der Schweiz verboten, nicht aber der Konsum. Snuser besorgen sich ihren Stoff per Internet und Fax oder bringen ihn von ihren Wettkämpfen aus dem Ausland mit.
Gesnust wird nicht nur im Eishockey, sondern in allen Sportarten mit nordischem Einfluss, also auch bei den Langläufern, Skifahrern oder Orientierungsläufern. Die Snus-Konsumenten werden auch immer jünger. Es gibt bereits 13- und 14-Jährige, die sich vor Training und Wettkampf Tabak unter die Lippen klemmen.
Prävention: Bund hat Suchtpotenzial von Snus erkannt
Das Problem ist erkannt, auch im Bundesamt für Sport (Baspo) in Magglingen. Die Fachstelle Sucht und Sport hat Snus schon vor längerem in die nationale Kampagne «LaOla - Prävention im Sportclub» aufgenommen. Zu hoffen ist, dass Snus möglichst bald wieder verschwindet - Voraussetzung ist, dass die Stars und Vorbilder die Finger von ihrer rauchfreien Nikotinsucht lassen können.
François Loriol
30. Januar 2002